Die LEAN-Tafel auf der Baustelle und wie man mit ihr die Woche plant
Eine LEAN-Tafel ist die Wand im Baubüro, an der die Gewerke ihre Arbeit mit Post-its planen. Auf ihr hängen Gewerkesequenz, Terminplan, die Vorschau der nächsten Wochen und die Störungen. Jeden PEP stehen Bauleitung, Poliere und Nachunternehmer davor und sagen zu, was sie nächste Woche erledigen. Dieser Beitrag beschreibt, wie so eine Tafel aufgebaut ist, welche Regeln für Farben und Post-its sich bewähren und wie die Wochenplanung an ihr abläuft.
Wozu eine Tafel, wenn es Terminpläne gibt?
Ein Terminplan am Bildschirm wird von einer Person gepflegt. Eine LEAN-Tafel wird von allen gemeinsam gelesen und beklebt. Das ist der Gedanke des Last Planner System: Geplant und zugesagt wird von denen, die die Arbeit ausführen (Ballard 2000; LCI). Die Tafel macht das sichtbar. Jeder sieht, wo sein Gewerk steht, wer vorher fertig sein muss und wer danach kommt.
Wie die Tafel in die fünf Planungsebenen des Systems passt, von den Meilensteinen bis zum Lernen aus Störungen, erklärt der Beitrag Last Planner System: die fünf Planungsebenen.
Welche Tafeln auf eine Lean-Baustelle gehören
Meist ist es nicht eine Tafel, sondern eine Reihe von Tafeln nebeneinander. Die Bezeichnungen unterscheiden sich von Baustelle zu Baustelle; so heißen sie in just LEAN it.:
| Tafel | Was darauf steht | Wie oft sie sich ändert |
|---|---|---|
| Farbkonzept | Gewerke mit Post-it-Farbe und Kürzel | selten, beim Projektstart und wenn ein Gewerk dazukommt |
| GSQ (Gewerkesequenz) | Reihenfolge der Gewerke in einem typischen Bereich, Tag für Tag | wenn sich die Bauweise ändert |
| MPP (Meilenstein- und Phasenplan) | Sequenzen je Bereich über Monate, mit Meilensteinen | bei Umplanungen |
| 4-Wochenvorschau | die nächsten Planungswochen, ein Post-it pro Prozess und Tag | in jedem PEP |
| Störungen | nicht eingehaltene Zusagen mit Ursache | in jedem PEP |
Dazu kommen auf vielen Baustellen eine Risikoliste und ein Aktionsplan mit Zuständigen und Fristen.
So ist die Wochenvorschau aufgebaut
Die Wochenvorschau ist die Tafel, an der die Wochenplanung der Baustelle passiert. Sie hat zwei Achsen.
Zeilen sind Bereiche. Ganz links steht die Bereichsspalte: UG, EG, OG1, OG2 oder Bauteile, Fertigungsabschnitte, Stiegen. Alles, was in dieser Spalte steht, ist ein Bereich, auch wenn es nach einem Gewerk klingt, etwa „Fassade“ oder „Außenanlagen“.
Spalten sind Tage, gruppiert in Planungswochen. Eine Planungswoche beginnt am PEP-Tag, nicht zwingend am Montag. Beispiel: Hält ein Projekt seinen PEP am Mittwoch, läuft jede Planungswoche von Mittwoch bis Dienstag. Über der ersten Woche steht oft noch eine Zeile für Meilensteine.
Wie viele Wochen die Tafel zeigt, entscheidet das Projekt. Vier sind verbreitet, daher der Name 4-Wochenvorschau; manche Tafeln zeigen sechs.

Das Farbkonzept: eine Farbe pro Gewerk
Jedes Gewerk bekommt eine Post-it-Farbe und ein Kürzel. Beides wird beim Projektstart festgelegt und hängt als Legende an der Tafel. Beispiel aus unserem Demo-Projekt:
| Gewerk | Kürzel | Farbe (Beispiel) |
|---|---|---|
| Rohbau | RB | gelb |
| Elektro | ELT | rot |
| HLS | HLS | blau |
| Trockenbau | TB | grün |
| Estrich | EST | braun |
Drei Regeln helfen im Alltag:
- Eine Farbe, ein Gewerk. Arbeiten zwei Firmen im selben Fach, sind das zwei Gewerke mit zwei Farben. Sonst lässt sich später nicht sagen, wessen Zusage gehalten hat.
- Farben gehören dem Projekt. Welche Farben es gibt, hängt oft davon ab, welche Post-its im Baubüro liegen. Wichtig ist nur, dass die Legende an der Tafel stimmt.
- Wartezeiten kennzeichnen. Trocknen und Aushärten sind keine Arbeit, blockieren aber den Bereich. Sie bekommen ein eigenes Zeichen oder ein schraffiertes Post-it, bei Aushärtung mit Kalendertagen statt Arbeitstagen.
Ein Post-it ist eine Zusage
Auf der Wochenvorschau steht jedes Post-it für einen Prozess eines Gewerks an einem Tag in einem Bereich. Auf das Post-it gehört so wenig wie möglich: das Kürzel des Gewerks, die Arbeit in zwei, drei Wörtern, bei Bedarf die Mannschaft.
Was in der kommenden Planungswoche klebt, ist eine Zusage. Das Gewerk verspricht damit, genau diese Arbeit an genau diesem Tag in diesem Bereich zu erledigen. Deshalb sollte ein Post-it erst in die nächste Woche wandern, wenn Vorleistung, Material, Pläne und Personal geklärt sind. Glenn Ballard und Gregory Howell nennen das Shielding: die Ausführung vor Aufträgen schützen, die nicht ausführbar sind (Ballard & Howell 1998).
Die Wochenplanung an der Tafel: Ablauf im PEP
Der PEP ist die wöchentliche Planungsbesprechung vor der Tafel. Ein Ablauf, wie er auf vielen Baustellen funktioniert:
- Rückblick. Jede Zusage der vergangenen Planungswoche wird abgehakt: eingehalten oder nicht eingehalten. Daraus ergibt sich die AEZ, der Anteil eingehaltener Zusagen. Wie man sie rechnet und liest, steht im Beitrag PPC im Lean Construction.
- Störungen aufhängen. Für jede nicht eingehaltene Zusage kommt ein Post-it auf die Störungstafel, mit Ursache, etwa „Vorleistungen nicht vorhanden“ oder „Fehlende Informationen“, und mit dem verursachenden Gewerk.
- Vorschau durchgehen. Bereich für Bereich wird die Vorschau angeschaut: Hält die Reihenfolge? Was fehlt noch, damit die Arbeit in drei Wochen starten kann?
- Neue Zusagen kleben. Jedes Gewerk klebt oder bestätigt seine Post-its für die nächste Planungswoche.
- Festhalten. Der Stand der Tafel wird dokumentiert, damit bis zum nächsten PEP klar ist, was zugesagt wurde.
Was die Tafel nicht kann
Die Tafel ist das beste Werkzeug für die Besprechung. Nach der Besprechung hat sie Grenzen: Sie zählt nicht mit, sie schickt kein Protokoll, und nach dem nächsten PEP ist der alte Stand weg, wenn ihn niemand abschreibt. Genau dort beginnt auf vielen Baustellen die Nacharbeit am Abend.
Wir haben unsere App für genau diesen Schritt gebaut: Die Tafel wird nach dem PEP fotografiert, die Bilderkennung schlägt vor, welche Post-its zu welchen Prozessen gehören, und Sie bestätigen jeden Vorschlag. Die Tafel selbst bleibt, wie sie ist. Den ganzen Ablauf zeigt der Beitrag Last Planner System digital.

Typische Fehler an der LEAN-Tafel
- Post-its ohne Bereich oder ohne Tag. Was nirgends klebt, kann im nächsten PEP nicht bewertet werden.
- Zu viel Text auf dem Post-it. Wer vor der Tafel steht, muss es aus zwei Metern lesen können.
- Farben ohne Legende. Spätestens wenn ein neues Gewerk dazukommt, rät jemand.
- Zusagen für Arbeiten, deren Vorleistung noch offen ist. Sie fallen fast sicher aus und drücken die AEZ.
- Die Störungstafel nur füllen, wenn es Zeit hat. Die Ursache ist im PEP noch bekannt, eine Woche später nicht mehr.
Pilotprojekt anfragen
Für Baustellen, die schon mit einer LEAN-Tafel planen und die Nacharbeit danach loswerden wollen, bieten wir einen Pilot an. Ihre Tafel bleibt, wir richten das Projekt gemeinsam ein, und nach den ersten PEPs entscheiden Sie, ob das Protokoll aus der App Ihre bisherige Dokumentation ersetzt.
Häufige Fragen
Was ist eine LEAN-Tafel?
Eine Planungswand auf der Baustelle, an der die Gewerke mit Post-its ihre Arbeit der nächsten Wochen planen und zusagen. Sie ist das sichtbare Werkzeug des Last Planner System und hängt meist im Baubüro oder Besprechungscontainer.
Wie viele Wochen zeigt die Wochenvorschau?
Das legt das Projekt fest. Verbreitet sind vier Wochen, manche Baustellen planen sechs Wochen voraus. Wichtig ist, dass genug Vorlauf bleibt, um Material, Pläne und Personal rechtzeitig zu klären.
Wer klebt die Post-its?
Die Gewerke selbst, also der Polier oder Vorarbeiter, der für die Arbeit zusagen kann. Klebt die Bauleitung alles allein, wird aus der Zusage wieder eine Anweisung.
Kann man die Tafel digital ersetzen?
Man kann, aber die Besprechung ändert sich dadurch: Statt dass jeder sein Post-it klebt, bedient eine Person den Bildschirm. Wir halten es für sinnvoller, die Tafel zu behalten und nur die Dokumentation danach zu digitalisieren.
Quellen
- Ballard, H. G. (2000): The Last Planner System of Production Control. Dissertation, University of Birmingham. etheses.bham.ac.uk/id/eprint/4789
- Ballard, G.; Howell, G. (1998): Shielding Production: Essential Step in Production Control. Journal of Construction Engineering and Management 124 (1), S. 11–17. doi.org/10.1061/(ASCE)0733-9364(1998)124:1(11)
- Lean Construction Institute: The Last Planner System: From Pull Planning to Weekly Work Planning. leanconstruction.org
Ein Beitrag des Teams just LEAN it. Er ist KI-gestützt entstanden. Die Bilder zeigen unsere App mit dem Demo-Projekt, keine echte Baustelle.
