Blog · 09.10.2026 · vom Team just LEAN it. · 8 Min. Lesezeit

Last Planner System digital – ohne die Tafel abzuschaffen

Kurzantwort: Wer das Last Planner System digital führen will, muss die LEAN-Tafel nicht abschaffen. Die Besprechung läuft weiter mit Post-its an der Wand. Danach wird die Tafel fotografiert, eine Bilderkennung schlägt vor, welche Post-its zu welchen Prozessen gehören, und Sie bestätigen jeden Vorschlag. Daraus entstehen Wochenplan, Kennzahl (AEZ, international PPC) und PEP-Protokoll, ohne dass jemand am Abend Post-its in Excel abtippt. Genau daran sollten Sie jede Last Planner System Software messen: Wie viel Nacharbeit nach dem PEP nimmt sie Ihnen ab, und wie wenig verändert sie die Besprechung selbst?

Die Tafel funktioniert. Das Problem beginnt nach dem PEP

Das Last Planner System hat Glenn Ballard in seiner Dissertation an der University of Birmingham beschrieben (Ballard 2000). Der Kern ist schlicht: Geplant wird von denen, die die Arbeit tatsächlich ausführen, und zugesagt wird nur, was in der Woche auch wirklich machbar ist. Ballard und Gregory Howell haben das „Shielding“ genannt, also die Ausführung vor Aufträgen zu schützen, deren Voraussetzungen fehlen (Ballard & Howell 1998).

Auf der Baustelle passiert das an Tafeln, wie wir sie im Beitrag über die LEAN-Tafel auf der Baustelle beschreiben. Die Gewerke stehen davor, kleben ihre Post-its, diskutieren Bereiche und Reihenfolgen. Genau diese Runde ist der Wert der Methode, und sie lebt davon, dass alle gleichzeitig auf dieselbe Wand schauen.

Der Aufwand kommt danach. Jemand muss die Zusagen nachtragen, die eingehaltenen zählen, Störungen samt Ursachen festhalten, ein Protokoll schreiben und es an alle Firmen schicken. Meist landet das bei der Bauleitung oder beim LEAN-Manager, oft spät am Tag.

Last Planner System Software: warum ein rein digitales Board oft nicht hängen bleibt

Viele Softwarelösungen für Lean Construction ersetzen die Post-its durch ein digitales Board am Bildschirm. Das ist konsequent, ändert aber die Besprechung selbst: Statt dass jeder Polier sein Post-it klebt, bedient eine Person den Laptop, und die anderen schauen zu.

Wir haben unsere Software deshalb anders herum entwickelt. Die Tafel bleibt das Original, die Software bildet sie ab: Woche ab dem PEP-Tag, Bereichsspalte, Post-it-Farben aus dem Farbkonzept des Projekts. Digital wird nur, was nach der Besprechung bisher Handarbeit war.

Der Regelkreis in fünf Begriffen

Bevor es um Schritte geht, kurz die Begriffe, wie sie in just LEAN it. und auf vielen österreichischen Baustellen verwendet werden:

BegriffWas gemeint ist
GSQ (Gewerkesequenz)Die Reihenfolge der Gewerke in einem Bereich, Tag für Tag, inklusive Warte- und Aushärtezeiten.
MPP (Meilenstein- und Phasenplan)Der Terminplan über Monate, in dem die Sequenzen in die Bereiche eingeplant werden. Er wird als Basisplan eingefroren; Änderungen laufen danach als Fortschreibung.
4-WochenvorschauDer Ausschnitt der nächsten Wochen auf der Tafel, ein Post-it pro Prozess und Tag.
PEPDie wöchentliche Planungsbesprechung. Die Gewerke bewerten die Zusagen der letzten Woche und geben neue ab.
AEZ (Anteil eingehaltener Zusagen)Eingehaltene Zusagen geteilt durch alle bewerteten Zusagen einer Woche, international PPC (Percent Plan Complete).

Ballard und Howell beschreiben die Phasenplanung als den Ort, an dem die Übergaben zwischen den Gewerken festgelegt werden (Ballard & Howell 2003). Das Lean Construction Institute nennt die Stufen vor der Wochenplanung Milestone, Pull und Make-Ready Planning und führt PPC als Kennzahl der Woche (LCI; Ballard 2000). Wie Sie die AEZ rechnen und lesen, steht im Beitrag PPC im Lean Construction.

Schritt für Schritt: von der Tafel zum PEP-Protokoll

So läuft eine Woche, wenn die Tafel bleibt und die Dokumentation digital wird. Die Bilder zeigen das Demo-Projekt „Wohnbau Nordpark“ in just LEAN it., keine echte Baustelle.

  1. Farbkonzept und Gewerke festlegen. Jedes Gewerk bekommt seine Post-it-Farbe und ein Kürzel. Die Farben gehören dem Projekt, nicht der Software, und lassen sich auch von einem Foto des Farbkonzepts übernehmen.
  2. GSQ und MPP aufbauen. Digital oder per Foto der Tafel. Aus dem MPP entsteht die erste Wochenvorschau des Projekts.
  3. Im PEP die Tafel fotografieren. Am Computer oder per QR-Code direkt mit dem Handy, aus der Kamera oder der Galerie. Das Foto wird nie gelöscht.

Wochenvorschau mit vier Planungswochen, Bereichen UG bis OG2 und farbigen Prozessbalken je GewerkDie Wochenvorschau in just LEAN it.: vier Planungswochen ab dem PEP-Tag, Bereiche als Zeilen, Gewerke in den Farben des Projekts. Screenshot aus dem Demo-Projekt, Oktober 2026.

  1. Tafel prüfen. Die Bilderkennung ordnet jedes Post-it einem bekannten Prozess zu oder markiert es als unklar. Sie entscheiden: zuordnen, als Ad-hoc-Einsatz übernehmen oder verwerfen. Auch wenn die Erkennung sehr sicher ist, braucht jedes Post-it Ihren Klick auf „Bestätigen“, erst dann wird übernommen.

Ansicht Tafel prüfen mit zwei erkannten Post-its, Sicherheitsanzeige und den Knöpfen Bestätigen und VerwerfenTafel prüfen: Die KI schlägt vor, der Mensch bestätigt, auch bei hoher Erkennungssicherheit. Screenshot aus dem Demo-Projekt mit Testdaten, Oktober 2026.

  1. Zusagen bewerten und Störungen erfassen. Im PEP wird jede Zusage der vergangenen Woche als eingehalten oder nicht eingehalten markiert. Für jede nicht eingehaltene Zusage wird eine Störung mit Kategorie erfasst, zum Beispiel „Vorleistungen nicht vorhanden“. In Auswertungen zählen nur Störungen mit bestätigter Terminwirkung, also mit einer Verschiebung in Arbeitstagen.

PEP-Ansicht mit Anwesenheit der Gewerke, AEZ der Vorwoche und einer nicht eingehaltenen Zusage samt UrsacheDer abgeschlossene PEP: Anwesenheit, AEZ der Woche und die nicht eingehaltene Zusage mit Ursache und Terminwirkung. Screenshot aus dem Demo-Projekt, Oktober 2026.

  1. PEP abschließen und Protokoll verschicken. Mit dem Abschluss wird der Stand eingefroren: Wochenvorschau, Bewertungen, Kennzahlen. Daraus entsteht das PEP-Protokoll als PDF, das an die Kontakte im Verteiler geht. Was im PEP bestätigt wurde, bleibt bis zum nächsten PEP unverändert.

Erste Seite eines PEP-Protokolls als PDF mit AEZ, AEZ-Trend, nicht eingehaltenen Zusagen und StörungenSeite 1 des PEP-Protokolls: Kennzahlen, Trend und Störungen der Woche, erzeugt beim PEP-Abschluss. Ausschnitt aus einem Test-Protokoll des Demo-Projekts, Oktober 2026.

Über die Wochen sammelt sich daraus die Übersicht: AEZ je Gewerk, Taktfortschritt je Bereich und der Stand der Meilensteine.

Projektübersicht mit Kennzahlkacheln, AEZ je Gewerk, Taktfortschritt je Bereich und MeilensteinlisteDie Übersicht eines Projekts nach mehreren PEPs. Screenshot aus dem Demo-Projekt, Oktober 2026.

Typische Fehler beim Digitalisieren

  • Die Tafel abschaffen, bevor die Runde digital funktioniert. Die Besprechung ist das Werkzeug, nicht ihr Protokoll.
  • KI-Ergebnisse ungeprüft übernehmen. Ein falsch gelesenes Post-it verfälscht die AEZ und landet im Protokoll an alle Firmen. Deshalb gibt es bei uns keine automatische Übernahme.
  • Zusagen ohne Make-Ready. Wer zusagt, ohne dass Material, Vorleistung und Personal geklärt sind, misst am Ende nur, wie oft geraten wurde. Genau davor soll das Shielding schützen (Ballard & Howell 1998).
  • Die AEZ als Zeugnis für Personen verwenden. Die Kennzahl misst, wie verlässlich geplant wird. Sobald sie zur Bewertung einzelner Leute wird, sagen alle nur noch zu, was sicher klappt.
  • Störungen ohne Ursache sammeln. Ohne Kategorie und Terminwirkung bleibt die Pareto-Auswertung leer, und das „Learn“ der Methode fällt aus.

Was just LEAN it. heute kann und was nicht

just LEAN it. ist eine Lean Construction Software im Browser, für den Laptop oder Rechner im Baubüro. Das Handy dient zum Fotografieren der Tafel, für die großen Pläne ist der Bildschirm zu klein. Eine native App gibt es nicht, und eine Schnittstelle zu MS Project ist nicht geplant. Rollen mit eigenem Zugang für Polier oder Nachunternehmer sind für Version 1.0 vorgesehen; im Pilot arbeitet das Projektteam gemeinsam, die Firmen bekommen das Protokoll per E-Mail.

Häufige Fragen

Kann man das Last Planner System digital führen und trotzdem mit Post-its arbeiten?

Ja. Die Tafel bleibt das Original für die Besprechung. Nach dem PEP wird sie fotografiert, die Bilderkennung schlägt die Zuordnung vor, und erst nach Ihrer Prüfung landen die Zusagen im digitalen Wochenplan.

Was ist der Unterschied zwischen AEZ und PPC?

Inhaltlich keiner. PPC ist der englische Begriff aus dem Last Planner System. AEZ ist der Anteil eingehaltener Zusagen einer Woche; über mehrere Wochen werden die Zusagen zusammengezählt, nicht die Wochenwerte gemittelt.

Übernimmt die KI die Post-its automatisch?

Nein. Jede Erkennung ist ein Vorschlag, der vor dem Übernehmen geprüft wird. Das Originalfoto bleibt gespeichert, damit sich jeder Wert auf die Tafel zurückführen lässt.

Brauchen Poliere und Nachunternehmer einen eigenen Zugang?

Nicht im Pilot. Fotografiert wird per QR-Code ohne Anmeldung, das Protokoll kommt als PDF per E-Mail. Eigene Zugänge mit Rollen sind für Version 1.0 geplant.

Pilotprojekt: eine Baustelle, ein Wochenzyklus

Wir suchen Baustellen, die das Last Planner System bereits mit Tafeln leben und den Aufwand danach loswerden wollen. Ein Pilot heißt bei uns: Ihre Tafel bleibt, wir richten das Projekt gemeinsam ein, und nach den ersten PEPs entscheiden Sie, ob das Protokoll aus just LEAN it. Ihre bisherige Nacharbeit ersetzt.

Pilotprojekt anfragen

Quellen


Über just LEAN it.

just LEAN it. digitalisiert die Ergebnisse analoger LEAN-Tafeln per Foto und verbindet sie mit dem Last-Planner-Regelkreis – vom Wochenplan bis zum PEP-Protokoll.

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt.

Alle Beiträge