Last Planner System: die fünf Planungsebenen von der Meilensteinplanung bis zur Wochenzusage
Das Last Planner System plant eine Baustelle auf fünf Ebenen, vom groben Meilenstein bis zur Zusage für den nächsten Dienstag. Jede Ebene beantwortet eine eigene Frage: Was soll fertig werden, was kann gebaut werden, was wird diese Woche gebaut, was wurde gebaut, und was lernen wir daraus? Dieser Beitrag geht die Ebenen der Reihe nach durch und zeigt, wie sie auf österreichischen Baustellen heißen: Meilensteine, GSQ, MPP, 4-Wochenvorschau, PEP und AEZ.
Woher das Last Planner System kommt
Glenn Ballard hat das System in den 1990er-Jahren gemeinsam mit Gregory Howell entwickelt und in seiner Dissertation an der University of Birmingham zusammengefasst (Ballard 2000). Der Name beschreibt die Idee: Der „Last Planner“ ist die letzte Person in der Kette der Planer, also die, die am nächsten an der Arbeit ist und für ihr Gewerk verbindlich zusagen kann. Das Lean Construction Institute beschreibt ihn genau so: als die Person, die der Arbeit am nächsten steht und die Befugnis hat, verlässliche Zusagen für ihr Fach zu machen (LCI).
Auf der Baustelle ist das meist der Polier oder der Vorarbeiter eines Nachunternehmers. Der Plan wird also nicht von oben verteilt, sondern von denen bestätigt, die ihn ausführen.
Warum das wichtig ist, begründet das LCI mit einer Ausgangslage: Auf herkömmlich geplanten Projekten wird laut LCI im Schnitt nur 54 % der Arbeit, die für eine Woche geplant war, in dieser Woche auch erledigt (LCI). Ballard und Howell setzen beim Schutz der Ausführung an: Zugesagt wird nur, was auch wirklich ausführbar ist. Sie nennen das „Shielding“ (Ballard & Howell 1998).
Die fünf Ebenen auf einen Blick
Das LCI ordnet das Last Planner System um fünf Gespräche: should, can, will, did, learn (LCI). Übersetzt auf die Baustelle sieht das so aus:
| Ebene | Frage | Wer plant | Auf der Tafel |
|---|---|---|---|
| 1. Meilensteinplanung | Was soll bis wann fertig sein? | Bauleitung, Auftraggeber | Meilensteine im MPP |
| 2. Phasen- und Pull-Planung | In welcher Reihenfolge kommen die Gewerke? | alle Gewerke gemeinsam | GSQ und MPP |
| 3. Vorschauplanung (Make-Ready) | Was kann in den nächsten Wochen wirklich gebaut werden? | Bauleitung mit Polieren | 4-Wochenvorschau |
| 4. Wochenplanung | Was wird nächste Woche gebaut? | die Last Planner jedes Gewerks | Zusagen im PEP |
| 5. Messen und Lernen | Was wurde gebaut, und warum fehlt der Rest? | alle im PEP | AEZ und Störungen |
Je näher die Arbeit rückt, desto feiner wird geplant und desto mehr Leute reden mit. Die Ebenen ersetzen einander nicht, sie hängen aneinander: Was auf Ebene 3 nicht vorbereitet wurde, darf auf Ebene 4 nicht zugesagt werden.
1. Meilensteinplanung: was fertig sein soll
Die oberste Ebene ist der Rahmen des Projekts: Baubeginn, Rohbau je Bauteil fertig, dichtes Haus, Übergabe. Das LCI spricht von Meilensteinen, die als Zwischenziele in den Gesamtterminplan passen (LCI). In just LEAN it. sind Meilensteine Rauten im MPP, dem Meilenstein- und Phasenplan. Ein Meilenstein hat einen Termin, an dessen Arbeitsende er erreicht sein muss.
Wichtig für alles Weitere: Meilensteine werden selten verhandelt. Sie kommen aus dem Vertrag und dem Rahmenterminplan. Der Spielraum liegt darunter, auf den nächsten Ebenen.
2. Phasenplanung und Pull-Planung: rückwärts vom Meilenstein
Auf der zweiten Ebene planen die Gewerke gemeinsam, wie sie einen Meilenstein erreichen. Das passiert rückwärts: Man beginnt beim Meilenstein und fragt jedes Gewerk, was es vorher braucht und wer es ihm übergibt. Diese Pull-Planung legt die Übergaben zwischen den Gewerken fest (Ballard & Howell 2003). Das LCI beschreibt Pull-Planung als Methode, bei der Personal, Material, Informationen und Geräte erst dann ankommen, wenn sie für den Fluss der Arbeit gebraucht werden (LCI).
Auf vielen Baustellen entsteht daraus zuerst die GSQ, die Gewerkesequenz: die Reihenfolge der Gewerke in einem typischen Bereich, Tag für Tag, mit Warte- und Aushärtezeiten. Beispiel: Schalung Decke drei Arbeitstage, Bewehrung zwei, Betonage einer, dann drei Kalendertage Aushärtung, danach Elektro und HLS parallel, dann Trockenbau.

Im MPP wird diese Sequenz dann in die Bereiche eingeplant, also UG, EG, OG1 und so weiter. So entsteht ein Terminplan über Monate, der zeigt, wann welches Gewerk in welchem Bereich arbeitet. Ist er vereinbart, wird er als Basisplan eingefroren. Spätere Änderungen laufen als Fortschreibung, damit jede Abweichung gegen den ursprünglichen Plan sichtbar bleibt.

3. Vorschauplanung: was gebaut werden kann
Die dritte Ebene schaut einige Wochen voraus. Verbreitet sind vier Wochen, manchmal sechs; daher der Name 4-Wochenvorschau. International heißt dieser Schritt Lookahead oder Make-Ready Planning. Das LCI beschreibt ihn als die Ebene, auf der Hindernisse vorab beseitigt werden, damit geplante Arbeit überhaupt stattfinden kann (LCI).
Make-Ready heißt praktisch: Für jeden Prozess der nächsten Wochen wird geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sein werden. Typische Fragen dazu:
- Ist die Vorleistung des Vorgewerks rechtzeitig fertig?
- Sind Material und Geräte bestellt und zum richtigen Tag auf der Baustelle?
- Liegen Pläne, Freigaben und Informationen vor?
- Ist genug Personal eingeteilt, und ist der Bereich frei?
Was nicht rechtzeitig klärbar ist, wird nicht in die Woche geschoben, sondern umgeplant. Genau hier entscheidet sich, ob die Wochenzusagen später halten.

4. Wochenplanung im PEP: was gebaut wird
Einmal pro Woche treffen sich die Gewerke zum PEP, der Planungsbesprechung an der Tafel. Jedes Gewerk sagt für die nächste Planungswoche zu, an welchem Tag es in welchem Bereich welche Arbeit erledigt. Eine Planungswoche beginnt dabei am PEP-Tag, nicht zwingend am Montag; hält ein Projekt seinen PEP am Mittwoch, läuft die Planungswoche von Mittwoch bis Dienstag.
Eine Zusage ist mehr als ein Eintrag im Plan. Sie ist ein Versprechen der Person, die die Arbeit verantwortet. Damit es hält, sollte sie nur gegeben werden, wenn die Arbeit klar beschrieben, vorbereitet und in der Woche schaffbar ist. Das ist der Kern des Shielding (Ballard & Howell 1998). Lieber eine Zusage weniger, die hält, als drei, die am Freitag offen sind.
Zwischen den PEPs hilft eine kurze tägliche Abstimmung, die Zusagen im Blick zu behalten. Das LCI zählt diese Daily Huddles zu den Elementen des Systems (LCI).
5. Messen und Lernen: was gebaut wurde und warum nicht
Im nächsten PEP wird jede Zusage der Vorwoche bewertet: eingehalten oder nicht eingehalten. Daraus ergibt sich die Kennzahl der Woche, die AEZ (Anteil eingehaltener Zusagen), international PPC für Percent Plan Complete (Ballard 2000). Beispiel: Fünf Zusagen, vier eingehalten, ergibt eine AEZ von 80 %. Wie man die Kennzahl über mehrere Wochen richtig zusammenfasst, erklärt der Beitrag PPC im Lean Construction.
Die Zahl allein ist aber nur die halbe Ebene. Für jede nicht eingehaltene Zusage wird eine Störung mit Ursache festgehalten, zum Beispiel „Vorleistungen nicht vorhanden“, „Fehlende Informationen“ oder „Schlechtes Wetter“. Das LCI nennt diesen Schritt Reasons for Variance (LCI). Erst wenn die Ursachen über Wochen gezählt werden, zeigt sich, wo das System klemmt: in der Vorschauplanung, bei einem Lieferanten, bei Planfreigaben. Das ist das „Lernen“ im Kreislauf, und es wirkt zurück auf die Ebenen 2 und 3.
Wie die Ebenen zusammenhängen
Von oben nach unten wird der Plan konkreter, von unten nach oben fließt Wissen zurück: Störungen aus dem PEP verändern die Vorschau, die Vorschau schreibt den MPP fort, der MPP zeigt, ob ein Meilenstein wackelt.
Auf der Baustelle hängen diese Ebenen meist als eigene Tafeln an der Wand. Wie eine solche Tafel aufgebaut ist und wie man mit ihr die Woche plant, beschreibt der Beitrag Die LEAN-Tafel auf der Baustelle. Wie man den Kreislauf digital dokumentiert, ohne die Tafel abzuschaffen, steht in Last Planner System digital.
Typische Missverständnisse
- Das Last Planner System ist kein Ersatz für den Bauzeitenplan. Es arbeitet unter den Meilensteinen und macht den Plan ausführbar.
- Pull-Planung heißt nicht, dass jedes Gewerk sich seine Termine aussucht. Der Meilenstein bleibt fix, verhandelt werden Reihenfolge und Übergaben.
- Eine hohe AEZ ist kein Selbstzweck. Wer nur noch zusagt, was sicher klappt, hält zwar jede Zusage, bremst aber die Baustelle.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Last Planner“ auf Deutsch?
Wörtlich „letzter Planer“. Gemeint ist die Person am Ende der Planungskette, die für ihr Gewerk verbindlich zusagen kann, auf der Baustelle meist der Polier oder Vorarbeiter. Im deutschsprachigen Raum ist der englische Name des Systems üblich.
Gibt es das Last Planner System als PDF?
Die Grundlage ist Glenn Ballards Dissertation „The Last Planner System of Production Control“ aus dem Jahr 2000. Sie ist im eTheses-Archiv der University of Birmingham frei abrufbar (Ballard 2000). Eine kompakte Übersicht der Elemente bietet das Lean Construction Institute auf seiner Website.
Was ist Pull-Planung?
Pull-Planung plant rückwärts vom Meilenstein: Jedes Gewerk sagt, was es vom Vorgänger braucht, damit es seine Arbeit beginnen kann. So entstehen die Übergaben zwischen den Gewerken, auf der Baustelle oft als GSQ an der Tafel.
Wie weit schaut die Vorschau voraus?
Das legt jedes Projekt selbst fest. Verbreitet sind vier Wochen, daher der Name 4-Wochenvorschau; manche Tafeln zeigen sechs. Entscheidend ist, dass der Zeitraum lang genug ist, um Material, Pläne und Personal rechtzeitig zu klären.
Pilotprojekt: Ihre Tafel bleibt
Wir haben unsere App so gebaut, dass die Ebenen so aussehen, wie sie an der Tafel hängen: GSQ, MPP, 4-Wochenvorschau und PEP; die Bilder oben stammen aus unserem Demo-Projekt. Die Tafel wird fotografiert, die KI schlägt vor, Sie bestätigen, und am Ende steht das PEP-Protokoll. Wenn Sie das Last Planner System schon mit Tafeln führen und den Aufwand danach loswerden wollen, sprechen wir gerne über einen Pilot.
Quellen
- Ballard, H. G. (2000): The Last Planner System of Production Control. Dissertation, University of Birmingham. etheses.bham.ac.uk/id/eprint/4789
- Ballard, G.; Howell, G. (1998): Shielding Production: Essential Step in Production Control. Journal of Construction Engineering and Management 124 (1), S. 11–17. doi.org/10.1061/(ASCE)0733-9364(1998)124:1(11)
- Ballard, G.; Howell, G. A. (2003): An Update on Last Planner. Proceedings IGLC-11. iglc.net/papers/Details/227
- Lean Construction Institute: The Last Planner System: From Pull Planning to Weekly Work Planning. leanconstruction.org
Über diesen Beitrag: Das Team just LEAN it. entwickelt eine App, die die Ergebnisse analoger LEAN-Tafeln per Foto übernimmt. Der Text ist KI-gestützt entstanden; die fachlichen Aussagen sind mit den Quellen oben belegt.
