PPC im Lean Construction – was die AEZ über Ihre Wochenplanung aussagt
PPC steht im Lean Construction für Percent Plan Complete: den Anteil der Wochenzusagen, die tatsächlich eingehalten wurden. Auf vielen österreichischen Baustellen heißt dieselbe Kennzahl AEZ, Anteil eingehaltener Zusagen. Sie ist schnell gerechnet und genauso schnell falsch gelesen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die AEZ sauber rechnen, warum man Wochenwerte nicht mittelt und weshalb die Ursachen hinter der Zahl wichtiger sind als die Zahl selbst.
Woher die Kennzahl kommt
Die Kennzahl gehört zum Last Planner System, das Glenn Ballard mit Gregory Howell entwickelt und in seiner Dissertation beschrieben hat (Ballard 2000). Das Lean Construction Institute zählt Percent Plan Complete zu den acht Kernelementen des Systems und beschreibt es knapp: festhalten, wie viele der Wochenaufgaben eines Teams rechtzeitig erledigt wurden (LCI).
Gemessen wird also nicht der Baufortschritt, sondern die Verlässlichkeit der Planung. Eine Woche mit wenig Fortschritt kann jede Zusage gehalten haben, wenn genau das zugesagt wurde. Eine Woche mit viel Fortschritt kann schlecht abschneiden, wenn die Gewerke deutlich mehr versprochen haben, als möglich war. Wo die Kennzahl im Gesamtsystem sitzt, zeigt der Überblick über die fünf Planungsebenen des Last Planner System.
So rechnen Sie die AEZ einer Woche
Die Grundlage ist die Zusage: Ein Gewerk verspricht im PEP, an einem Tag der Planungswoche in einem Bereich eine bestimmte Arbeit zu erledigen. Im nächsten PEP wird jede Zusage bewertet, und zwar nur mit zwei Möglichkeiten: eingehalten oder nicht eingehalten. Eine Arbeit, die fast fertig ist, ist nicht eingehalten.
Die Rechnung ist dann einfach:
AEZ = eingehaltene Zusagen ÷ (eingehaltene + nicht eingehaltene Zusagen)
Beispiel: In einer Planungswoche wurden fünf Zusagen gegeben. Vier wurden eingehalten, die Zusage „Trockenbau Ständerwerk UG“ nicht, weil die Vorleistung fehlte. Die AEZ dieser Woche beträgt 4 ÷ 5 = 80 %.

Zwei Sonderfälle sollten Sie vorher im Team klären:
- Vorgezogene Arbeit. Ein Gewerk erledigt etwas, das erst für eine spätere Woche geplant war. In just LEAN it. zählt so eine Vorziehung erst, wenn sie bestätigt ist, und die App zeigt zwei Werte nebeneinander: die AEZ ohne Vorziehen und die AEZ mit Vorziehen. Bei der zweiten kommen die bestätigten Vorziehungen zu den eingehaltenen Zusagen dazu, der Nenner bleibt gleich. Sie kann deshalb über 100 % liegen.
- Arbeit ohne Zusage. Was niemand im PEP zugesagt hat, zählt weder als eingehalten noch als nicht eingehalten. Es taucht in der AEZ nicht auf.
Mehrere Wochen: zusammenzählen statt mitteln
Sobald Sie die AEZ über einen Zeitraum betrachten, etwa für einen Monat oder für ein Gewerk, stellt sich die Frage nach dem richtigen Durchschnitt. Die Antwort: Zusagen zusammenzählen, nicht Wochenwerte mitteln.
| Zusagen | eingehalten | AEZ | |
|---|---|---|---|
| Woche A (Beispiel) | 5 | 4 | 80 % |
| Woche B (Beispiel) | 10 | 9 | 90 % |
| Mittelwert der Wochen | 85 % | ||
| zusammengezählt | 15 | 13 | 87 % |
Der Mittelwert behandelt eine Woche mit fünf Zusagen gleich wie eine mit zehn. Zusammengezählt zählt jede Zusage gleich viel, und genau das will man wissen: Wie verlässlich waren die Zusagen in diesem Zeitraum? Bei zwei Wochen ist der Unterschied klein, bei einem Gewerk mit stark schwankender Zahl an Zusagen kann er deutlich werden.
Wir haben die AEZ je Gewerk in unserer App deshalb so gebaut, dass sie die Zusagen zusammenzählt. Ein Beispiel aus dem Demo-Projekt: Die Übersicht zeigt die AEZ je Gewerk über die letzten acht abgeschlossenen Wochen. Rohbau kommt dort auf 91 % bei 22 Zusagen, HLS auf 69 % bei 13 Zusagen. Die Zahl der Zusagen steht bewusst daneben, damit niemand 75 % aus acht Zusagen mit 75 % aus achtzig verwechselt.

Welcher PPC-Wert ist gut?
Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Das LCI nennt als Ausgangslage, dass auf herkömmlich geplanten Projekten im Schnitt nur 54 % der für eine Woche geplanten Arbeit in dieser Woche erledigt werden (LCI). Das ist ein Vergleichspunkt, kein Ziel für Ihre Baustelle.
Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist der Verlauf:
- Steigt die AEZ über mehrere Wochen, werden die Zusagen verlässlicher.
- Fällt sie nach einem Wechsel der Bauphase, etwa vom Rohbau in den Ausbau, lohnt der Blick auf die Vorschauplanung: Sind die Voraussetzungen für die neuen Gewerke wirklich geklärt?
- Hält Woche für Woche jede einzelne Zusage, sollten Sie nachfragen. Vielleicht sagen die Gewerke nur noch zu, was ohnehin sicher ist.
Was hinter der Zahl steht: die Störungen
Die AEZ sagt, wie oft eine Zusage nicht gehalten hat. Warum, sagt sie nicht. Deshalb gehört zu jeder nicht eingehaltenen Zusage eine Störung mit Ursache. Das LCI nennt diesen Schritt Reasons for Variance und ordnet ihn dem Lernen zu (LCI).
In just LEAN it. stehen dafür die Kategorien zur Auswahl, die auf vielen Störungstafeln hängen, darunter „Vorleistungen nicht vorhanden / abgeschlossen“, „Verspätete / fehlerhafte Materialien“, „Fehlende / unvollständige Informationen“, „Ausfall an Arbeitskräften“, „Überschätzung der eigenen Leistung“ und „Schlechtes Wetter“. Die Kategorie wird im PEP gewählt, solange alle noch wissen, was passiert ist.
Über Wochen gezählt, entsteht daraus eine Pareto-Auswertung: Welche zwei, drei Ursachen machen den Großteil der Ausfälle aus? Wichtig ist dabei eine Unterscheidung. Nicht jede verfehlte Zusage verschiebt den Terminplan; manchmal holt ein Gewerk den Tag am nächsten Tag auf. In unseren Auswertungen zählen deshalb nur Störungen mit bestätigter Terminwirkung, also mit einer Verschiebung in Arbeitstagen.
Typische Fehler mit der AEZ
- Die Kennzahl als Zeugnis verwenden. Wird die AEZ eines Gewerks im PEP vorgeführt, lernen alle schnell, vorsichtig zuzusagen. Die Kennzahl misst die Planung, nicht die Leute.
- Zusagen nachträglich anpassen. Wird eine Zusage während der Woche umgeschrieben, damit sie am Ende „eingehalten“ ist, misst die AEZ nichts mehr.
- Teilweise erledigt als eingehalten zählen. Halb fertig ist nicht eingehalten. Sonst verschwinden genau die Fälle, aus denen man lernen könnte.
- Wochenwerte mitteln. Siehe oben: zusammenzählen statt mitteln.
- Zahlen ohne Ursachen. Eine AEZ ohne Störungskategorien zeigt ein Problem, aber keinen Hebel.
Häufige Fragen
Ist PPC dasselbe wie die AEZ?
Ja. PPC (Percent Plan Complete) ist der englische Begriff aus dem Last Planner System, AEZ (Anteil eingehaltener Zusagen) die deutsche Bezeichnung, die auf vielen Baustellen im deutschsprachigen Raum verwendet wird. Gerechnet wird beides gleich.
Wann wird die AEZ gerechnet?
Im PEP, wenn die Zusagen der vergangenen Planungswoche bewertet werden. Erst wenn jede Zusage als eingehalten oder nicht eingehalten markiert ist, steht die AEZ der Woche fest.
Zählt eine teilweise erledigte Zusage halb?
Nein. Eine Zusage ist eingehalten oder nicht eingehalten. Teilwerte würden genau die Fälle verwischen, aus denen das Team lernen soll.
Wie fasst man die AEZ über mehrere Wochen zusammen?
Indem man die Zusagen aller Wochen zusammenzählt und dann teilt: eingehaltene durch alle bewerteten Zusagen des Zeitraums. Ein Mittelwert der Wochenprozente gewichtet kleine Wochen zu stark.
Die AEZ entsteht an der Tafel: dort, wo die Zusagen kleben und im nächsten PEP abgehakt werden. Wie diese Tafel aufgebaut ist, lesen Sie im Beitrag Die LEAN-Tafel auf der Baustelle.
Wenn Sie die AEZ heute noch von Hand aus den Post-its zählen und das Protokoll danach abtippen, sprechen wir gerne über einen Pilot auf Ihrer Baustelle.
Quellen
- Ballard, H. G. (2000): The Last Planner System of Production Control. Dissertation, University of Birmingham. etheses.bham.ac.uk/id/eprint/4789
- Lean Construction Institute: The Last Planner System: From Pull Planning to Weekly Work Planning. leanconstruction.org
Geschrieben vom Team just LEAN it., KI-gestützt erstellt. Die Zahlen in den Bildern stammen aus dem Demo-Projekt der App, nicht von einer echten Baustelle.
